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Marsch des Lebens Leipzig

Gedenken an die Deportationen vor 70 Jahren: Am Sa. 21.1. und So. 22.1.2012 findet der Marsch des Lebens in Leipzig statt.

Am 21.1.1942 wurden 559 Leipziger Juden nach Riga deportiert. Dies war die erste und größte der Deportationen aus Leipzig. Bis 1945 wurde fast die gesamte jüdische Gemeinde der Stadt ausgelöscht.

70 Jahre danach wird der Marsch des Lebens von der historischen Sammelstelle an der Ernst-Pinkert-Str. zum Engelsdorfer Güterbahnhof führen. Er soll als Gedenk- und Gebetsmarsch ein klares Zeichen für Versöhnung und gegen modernen Antisemitismus setzen.

Das Programm des Marsch des Lebens in Leipzig

20.1.2012, 19:00 h, Vorbereitungsabend

"Die Decke des Schweigens" - Wie gehen wir als Deutsche mit dem Holocaust und der Nazischuld unserer Familien um - Gebet für die Veranstaltungen - Praktische Informationen.

Ort: Gemeindezentrum TOS Gemeinde Leipzig, Nonnenstraße 17a, 04229 Leipzig-Schleußig

21.1.2012, 19:00 h, Gedenkveranstaltung

mit Beiträgen von Ellen Bertram (Historikerin), Rolf Kralovitz (Augenzeuge der Deportationen), Dr. Eva-Maria Hillmann (Israelitische Religionsgemeinde), Rabbi Menachem Barkahan (Steps for Life Riga/Lettland) und Vertretern aus der Marsch-des-Lebens-Bewegung. Musikalische Gestaltung u.a. durch den Chor der israelitischen Religionsgemeinde Leipzig

Ort: Alte Handelsbörse Leipzig, Naschmarkt 1,  04109 Leipzig

22.1.2012, 13:00 h: Gedenkmarsch

Auftaktveranstaltung auf dem Parkplatz des Konsum-Marktes, Grußworte u.a. von Pfarrer Thomas Piehler (Ev. St. Andreaskirche), Für die ca. 7 km lange Strecke des Gedenkmarsches wird ein Begleitbus von der LVB bereitgestellt, ca. 16:00 h: Ankunft am Engelsdorfer Güterbahnhof und Abschlussveranstaltung

Treffpunkt: Ecke Ernst-Pinkert-Str./ Nordstr. in Leipzig

Veranstalter

TOS Dienste Deutschland e.V.

Lange Str. 26

04103 Leipzig

Infohotline: 0341-8793305

Historischer Hintergrund

Der 21.01.1942 ist einer der traurigen Höhepunkte eines der dunkelsten Kapitel der Leipziger Stadtgeschichte. Nur einen Tag, nachdem auf der sogenannten Wannseekonferenz die „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen worden war, wurden 559 jüdische Bürger nach Riga deportiert. Es war die erste und größte der Leipziger Deportationen. Vorausgegangen waren 1938 die Abschiebung polnischer Staatsbürger und der Novemberpogrom, wachsende Diskriminierungen sowie seit 1939 die Zwangsumsiedlung in die „Judenhäuser“. Anfang 1942 waren von der Mitte der 20er Jahre mehr als 12.500 Mitglieder umfassenden jüdischen Gemeinde nur noch etwa 2000 Menschen übriggeblieben.

Am 14. Januar 1942 hielt Oberbürgermeister Freyberg wie in jedem Jahr eine Neujahrsansprache. Die Kenntnis über die bevorstehende erste Deportation der Juden aus Leipzig fasste er in die Worte: „Es ist zu hoffen, daß sich die Zahl der Juden im laufenden Jahre erheblich senken wird.“

Am Sonntag, dem 18.01.1942, übergab die Gestapo der jüdischen Gemeinde eine Liste mit den Namen von 787 Personen, die am Montagmorgen mit Handgepäck in den „Judenhäusern“ zur Abholung bereit sein mussten. Sie wurden in die 32. Volksschule in der damaligen Yorkstraße in der Nähe des Nordplatzes gebracht (heute Ernst-Pinkert-Straße). Diese Schule wurde in den Jahren 1942 und 1943 als Gestapo-Sammellager für alle Deportationen genutzt. Zwei Tage lang mussten sie sich dort  in der Turnhalle aufhalten.

Am Mittwoch, dem 21.01.1942, wurden schließlich  127 Männer, 346 Frauen und 86 Kinder mit Straßenbahnen zum Engelsdorfer Güterbahnhof gebracht. Bei Temperaturen von minus 20 Grad mussten sie in unbeheizten Drittklasse-Waggons die zwei Tage und zwei Nächte dauernde Reise nach Riga durchstehen.

Dort angekommen kamen sie wie tausende andere aus Deutschland deportierte Juden zunächst im Rigaer Ghetto unter. Nur 29 Personen haben überlebt.

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heinz.reuss(at)tos.info