Lettland 2011

Gedenkmärsche in Riga, Daugavpils und drei weiteren Städten, insgesamt 800 Teilnehmer, Kooperation mit Rabbi Barkahan und "Steps for Life" in Riga.

Gedenk- und Versöhnungsmärsche in Riga, Daugavpils und drei weiteren Städten mit insgesamt über 800 Teilnehmern, unter ihnen der israelische Tourismusminister, die Botschafter der USA, Russlands, Deutschlands und vieler weiterer Nationen, eine Delegation von Deutschen, deren Vorfahren als Soldaten in die Verbrechen in Lettland während des Zweiten Weltkriegs involviert waren, Berichte in allen Medien des Landes - der Marsch des Lebens und “Steps for Life“ setzten ein deutliches Zeichen gegen das Schweigen über den Holocaust in Lettland, einem Land, in dem offener Antisemitismus bis heute ein Thema ist.

“Was uns sehr berührt hat, ist, dass ihr als Deutsche ganz persönlich für eure Schuld um Vergebung gebeten habt. Das haben wir so noch nie erlebt,“ so die Aussage einer einheimischen Teilnehmerin am Marsch des Lebens Lettland, der am 3.7. und 4.7.2011 stattfand. 70 Jahre nach dem Beginn der systematischen Vernichtung der Juden in Osteuropa waren 30 Deutsche, initiiert von den TOS Diensten, angereist, um an den Holocaust-Gedenkmärschen teilzunehmen und ein Zeichen der Versöhnung zu setzen. Unter ihnen waren 15 Nachkommen von Wehrmachts- und SS-Soldaten, die an den Verbrechen in Lettland beteiligt gewesen waren.

Anlässlich des nationalen Holocaustgedenktages am 4. Juli versammelten sich die Teilnehmer des “Steps for Life“ auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof in Riga. Im Vorfeld waren der “Marsch des Le2bens“ und “Steps for Life“, der vom Rigaer Rabbi Manachem Barkahan veranstaltet wird, eine offizielle Partnerschaft eingegangen. Neben der deutschen Delegation waren Rigaer Bürger, Vertreter der lokalen jüdischen Gemeinde, lettische Regierungsvertreter, Botschafter vieler Staaten sowie Holocaustüberlebende, die aus der ganzen Welt angereist waren, gekommen. Die Botschaft, die Marsch des Lebens-Initiator Jobst Bittner bei der Gedenkveranstaltung weitergab, fand in den nationalen Medien Lettlands ein großes Echo und war sowohl in den russischen als auch in den lettisch-sprachigen Nachrichtensendungen im Fernsehen zu sehen: “Wir sind hier, um die Worte zu finden, die unsere Väter und Großväter nicht finden konnten. Wir bitten stellvertretend um Vergebung für das, was wir Deutsche den Juden und auch den Letten angetan haben.“    

Nach den verschiedenen Ansprachen u.a. auch durch den israelischen Tourismusminister Stas Misezhnikov und die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in München, Charlotte Knobloch, führte die Route des Marsches durch das ehemalige Rigaer Ghetto zur Ruine der Choral-Synagoge, die am 4. Juli 1941 niedergebrannt wurde - 300 Juden fanden an diesem Tag in den Flammen den Tod. Während des Marsches kamen viele Holocaustüberlende auf das deutsche Team zu, da sie die Rede von Jobst Bittner sehr bewegt hatte - einige sprachen direkt Vergebung aus, andere erzählten ihre persönliche Lebensgeschichte. Alle waren sehr dankbar, dass die Nachkommen der Täter zu diesem Marsch gekommen waren.

Am Tag vorher fand der Marsch des Lebens in den Städten Daugavpils, Jekabpils, Kraslava und Subate mit insgesamt 400 Teilnehmern statt. Auf Initiative von Pastor Stanislav Zlobin hatten sich die Pastorenkreise der verschiedenen Städte zusammengetan, um den Marsch zu veranstalten. In Daugavpils, der zweitgrößten Stadt Lettlands, trafen sich fast 200 Menschen am Sammelpunkt am Ufer der Däna, gegenüber dem ehemaligen Ghetto in Daugavpils. Darunter waren sowohl Vertreter der jüdischen Gemeinde als auch Christen â€“ Letten, Russen und Deutsche.

Der Marsch des Lebens führte bei strömenden Regen entlang der Straße in den Wald, auf der 1941 die meisten der insgesamt über 15.000 Juden, die in Daugavpils ermordet wurden, ihrem sicheren Tod entgegen marschieren mussten.

Am Denkmal berichtete ein Mitglied der jüdischen Gemeinde über die unvorstellbaren Grauen, die sich während des Holocaust hier abgespielt hatten. Noch in den 90er-Jahren fanden Spaziergänger an diesem Massengrab Kinderschuhe, die ermordeten jüdischen Kindern gehört hatten.

Jobst Bittner anerkannte die Schuld der Deutschen und speziell der führenden Täter aus Tübingen: “Wir sind hier, um Worte zu finden, die unsere Vorfahren nicht finden konnten.“ Drei junge Frauen aus Deutschland erzählten unter Tränen, dass ihre Großväter direkt oder indirekt an den Morden in Lettland beteiligt gewesen waren und baten die anwesenden Juden um Vergebung. Sofort gingen jüdische Männer und Frauen auf sie zu, sprachen Vergebung zu und nahmen sie in den Arm. Es flossen Tränen der Versöhnung und der Heilung.

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Daugavpils sagte: “Unser Schmerz wird nicht so schnell vergehen und wir können das hier nicht vergessen. Aber vielen Dank, dass ihr gekommen seid und dass ihr diese Worte ausgesprochen habt. Hier ist eine neue Generation von Deutschen, die es verstanden hat. Wir müssen für die Zukunft verhindern, was hier passiert ist.“

Pastor Stanislaw Zlobin übernahm Verantwortung für das lettische Volk: “Auch die lokalen lettischen Bürger haben sich schuldig gemacht. Sie haben den Deutschen geholfen und auch geschwiegen. Ich bin hier, um für die Verbrechen und das Schweigen der Stadt um Vergebung zu bitten. In Daugavpils ist kein Platz für Antisemitismus! Ihr Juden seid ein Segen für uns.“ 

An den anderen Orten in Jekabpils, Kraslava und Subate waren an den Märschen und Veranstaltungen jeweils 20 bis 100 Personen beteiligt - und überall passierte echte Versöhnung - zwischen Deutschen und Juden, aber auch zwischen Letten und Juden und zwischen Letten und Russen. Eine Pastorin sagte:  “Mein Vater hat als Lette die Deutschen unterstützt und heute konnte ich zum ersten Mal für mein eigenes hartes Herz gegenüber Juden und Russen Buße tun."

Sehen Sie weitere Bilder der Märsche auf der TOS Facebookseite:

Marsch des Lebens in Daugavpils: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10150225713194632.323282.105272024631&type=3

Steps for Life in Riga: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10150226342259632.323549.105272024631&type=3

feedback Newsletter Newsletter Spenden

ERROR: Content Element type "powermail_pi1" has no rendering definition!

ERROR: Content Element type "powermail_pi1" has no rendering definition!

Spende per Ãœberweisung

Ihre Spende für den Marsch des Lebens in Deutschland können Sie auf das folgende Konto überweisen:

TOS Dienste Deutschland e.V. ist wegen Förderung gemeinnütziger Zwecke durch Bescheinigung des Finanzamtes Leipzig II, St.Nr. 231/141/07751 vom 01.10.2008 für die Jahre 2004, 2005 und 2006 nach §5 Abs. 1 Nr.9 KStG von der Körperschaftsteuer befreit.


Spende per Paypal