Deutsche Städte 2013

2013 fanden die ersten drei Märsche des Lebens in deutschen Städten auf Eigeninitiative von lokalen Organisatoren statt. Hier ein Überblick zu den Märschen in Augsburg, Bad Münder und Crimmitschau.

Augsburg 2013

Der Marsch des Lebens in Augsburg am 19./20. Oktober 2013 war sehr bewegend. Nach der Gedenkveranstaltung mit Harald Eckert (Christen an der Seite Israels) am Samstagabend trafen sich am Sonntag über 300 Teilnehmer zum Marsch des Lebens vor der Alten Synagoge in Augsburg-Kriegshaber, darunter 100 Vertreter der Jüdischen Gemeinde.

Am Startpunkt referierte Nikolaus Bleimeir vom Israelgebetskreis, der den Marsch des Lebens organisiert hatte, die nationalsozialistische Vergangenheit Augsburgs. In Kriegshaber wurden kurz vor Kriegsende 500 ungarische jüdische Zwangsarbeiterinnen deportiert. Der ca. 1,5-Kilometer-lange Marsch des Lebens setzte nun ein Zeichen der Erinnerung, gegen modernen Antisemitismus und für Israel.Der Höhepunkt war die Abschlussveranstaltung im voll besetzten Pfarrsaal St. Thaddäus: Eine Ärztin aus Bayern, Enkelin eines SS-Ausbilders, bekannte sich zu der Schuld ihres Großvaters. Danach erzählte eine Augsburgerin, dass ihr Großvater für den Ideologie-Unterricht an einer SS-Junkerschule zuständig gewesen war, und bat die anwesenden Juden sehr bewegt um Vergebung. Weitere Vertreter der Kriegsgeneration, der Nachkriegsgeneration und der Enkelgeneration taten dasselbe. Als ein Symbol der Versöhnung erhielt jeder jüdische Besucher eine weiße Rose mit rotem Herz und eine kleine Perle. Außerdem wurden Geldspenden übergeben für die neun Holocaustüberlebenden, die noch in Augsburg wohnen. Zum Abschluss der Veranstaltung sang ein Kantor der Augsburger Synagoge, die heute ca. 2500 Mitglieder hat, das Kaddisch.

Die Organisatoren und Teilnehmer des Marsch des Lebens waren durchweg begeistert. Die Jüdische Gemeinde sprach sofort eine Gegeneinladung für den Israelgebetskreis aus. So scheint der Marsch des Lebens auch der Start einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen den Augsburger Christen und Juden zu sein.

 

Bad Münder 2013

Beim Marsch des Lebens in Bad Münder nahe Hannover am 9./10. November 2013 gab es sowohl Trauer und Betroffenheit als auch Freude und Tanz.

“Ich habe schon viele Gedenkveranstaltungen erlebt, aber noch nie hat eine mein Herz so berührt wie diese. Man merkt: Ihr seid mit dem Herzen dabei. Es ist für uns eine Ehre, das hier erleben zu dürfen!“ Diese Worte einer Frau aus dem Vorstand einer jüdischen Gemeinde zeigen einmal mehr die bewegenden Auswirkungen, wenn die Nachkommen der Nazi-Täter mit einem zerbrochenen Herzen die Decke des Schweigens über ihrer Familienschuld zerbrechen.

Anlässlich des 75. Jahrestages der Reichspogromnacht organisierten Estha Siever und ihr Ehemann Uwe zusammen mit einem kleinen Team den Marsch des Lebens in Bad Münder in nur drei Wochen. Auslöser dafür, diese Veranstaltungsreihe so kurzfristig zu organisieren, war die Zusage einer jüdischen Gemeinde aus Hameln, sich am Marsch des Lebens und dem anschließenden Fest des Lebens in Bad Münder zu beteiligen. Der Landrat von Hameln Pyrmont erklärte sich zwei Wochen vor Veranstaltungsbeginn spontan bereit, die Schirmherrschaft für diese Veranstaltungsreihe zu übernehmen. Die Schulleiter zweier öffentlicher Schulen stimmten sofort der Nutzung ihrer Aula zu.

Zum offiziellen Beginn der Gedenkveranstaltungsreihe am Samstag, den 9.11.2013, versammelten sich ca. 30 Leute in der KGS Bad Münder. Die verlesenen Grußworte des Schulleiters sowie von Bundestagspräsident Norbert Lammert, SPD-Vorsitzendem Sigmar Gabriel und “Marsch des Lebens“-Initiator Jobst Bittner betonten die Wichtigkeit dieser Veranstaltung. Ein Vortrag über die jüdische Familie Friedheim zeigte exemplarisch das Schicksal der Juden von Bad Münder zur Zeit des Nationalsozialismus. Der Bericht über einen 1938 in die USA ausgewanderten Juden aus Eldagsen gab Einblick in die Gedankenwelt eines Holocaust-Überlebenden und ein Münderaner erzählte tief bewegt das Zeugnis von seinem Großvater, der mit 23 Jahren in die NSDAP eingetreten und später an Mordaktionen der SS in Osteuropa beteiligt gewesen war.

Am Sonntagnachmittag fanden sich ca. 40 Teilnehmer zum Marsch des Lebens vor der ehemaligen Synagoge ein. Unter den Gästen waren auch sieben Mitglieder einer Jüdischen Gemeinde aus der Region, einige von ihnen Nachkommen von Holocaust-Opfern, sowie ein katholischer Pfarrer mit Mitgliedern aus seiner Gemeinde. Nach einführenden Worten zur Geschichte der ehemaligen Synagoge führte der Marsch des Lebens, begleitet von israelischen und deutschen Fahnen, als ein sichtbares Bekenntnis durch die Innenstadt von Bad Münder, vorbei an ehemals von Juden bewohnten Häusern zum Feuerteich, dem Ort der Deportationen in die Vernichtungslager. Hier spielte ein jüdischer Musiker Zitter, die Namen der Opfer wurden verlesen und das Kaddisch rezitiert. Wieder bekannten sich Münderaner zur Schuld ihrer Vorfahren und baten die anwesenden Juden stellvertretend um Vergebung. Umarmungen und Tränen bei den Nachkommen der Täter und der Opfer waren die Sprache der Versöhnung.

Beim anschließenden Fest des Lebens in der Aula der Grundschule feierten Juden und Münderaner zusammen bei deutscher Live-Musik und einem Kuchenbuffet, das die örtlichen Bäckereien und Supermärkte zu einem großen Teil gespendet hatten. Der Landrat und der Schulleiter begrüßten die Gäste mit sehr treffenden und bewegenden Worten. Mit Beginn des Klezmer-Konzertes entstand plötzlich eine so gelockerte und fröhliche Atmosphäre, dass jüdische Bürger spontan aufsprangen und anfingen zu tanzen - mit Münderanern an ihrer Seite. 

Hier gibt es den Artikel über den Marsch des Lebens in Bad Münder, "Der Schuld ins Auge sehen", in der NDZ vom 11.11.13, zum Dowload.

 

 

Crimmitschau 2013

In einem Gebiet, das für rechtsradikale Tendenzen bekannt ist, setzten Christen, Juden und Vertreter des öffentlichen Lebens mit einem Marsch des Lebens gemeinsam ein Zeichen gegen Antisemitismus.

Am Sonntag, den 17.11.2013, veranstaltete Beth Shalom Crimmitschau e.V. den Marsch des Lebens in Crimmitschau, Sachsen. Bereits am Freitag und Samstag vorher hatten Gedenkveranstaltungen stattgefunden, so auch im Theater Crimmitschau, in dem am Samstag über 400 Teilnehmer waren. Dort wurden die Holocaustüberlebenden Monik Mlynarski und Ralf Bachmann geehrt, die sehr bewegend auch ihre persönliche Geschichte erzählten. Einige Crimmitschauer stellten sich bewusst zu der Schuld ihrer Stadt und ihrer Väter und baten stellvertretend um Vergebung. "Es gibt also auch andere Crimmitschauer", sagte Bachmann, der selbst dort geboren ist. Der anwesende Oberbürgermeister von Crimmitschau, H. Günther, redete offen über die Verbrechen der Nazizeit in ihrer Stadt und sprach sich klar gegen modernen Antisemitismus aus.

Am darauffolgenden Tag nahmen über 200 Menschen, aufgeteilt in drei Gruppen, am eigentlichen Marsch teil, der sich über die Routen der damaligen Todesmärsche in und um Crimmitschau erstreckte. GemeinsamerTreffpunkt und Höhepunkt des Marsches war eine Versammlung auf dem Marktplatz der Stadt. Dort führte die Tanzgruppe Yeshua's Call der TOS Tübingen einen Tanz auf und die Teilnehmer bildeten einen lebendigen Davidstern als Zeichen der Freundschaft zu Israel.  Ein Gottesdienst in der örtlichen St. Johanniskirche am Abend bildete den Abschluss der sehr bewegenden und außergewöhnlichen Tage.

 

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