Deutsche Städte 2014

Mehrere Märsche des Lebens 2014 zerbrechen die Decke des Schweigens über deutschen Städten und sind ein hörbares "Nie wieder!" zum modernen Antisemitismus. Lesen Sie hier die Berichte.

 

Paderborn

Der Marsch des Lebens in Paderborn fand am Pfingstmontag, den 9. Juni 2014, mit ca. 200 Teilnehmern statt. Veranstalter waren Monika Riesenberg und die "Freunde Israels OWL".

Die Gedenkveranstaltung startete unweit der Wewelsburg, am ehemaligen Appellplatz des Konzentrationslagers Niederhagen, das das einzige KZ im heutigen Nordrhein-Westfalen gewesen war. Ein Mahnmal erinnert heute an die Gräueltaten, die hier verübt wurden. Dort berichtete die Tochter von Holocaustüberlebenden, die das Ghetto von Lodz und das KZ Auschwitz überlebt hatten, von ihrer schweren Kindheit, in der die Angst ein ständiger Begleiter war. Erst als die Familie nach Israel ging, wurde sie als Mensch, so sagte sie, "neu geboren" – erstmals wurde sie beim Namen genannt und war nicht mehr die "dreckige Jüdin". Danach kam die Tochter eines hoch gestellten NS-Mannes zu Wort, die die Decke des Schweigens über ihrer Familiengeschichte zerbrach und auf Knien stellvertretend für die Schuld ihres Vaters um Vergebung bat.

Im Anschluss zogen die Teilnehmer mit israelischen und deutschen Fahnen zur Wewelsburg. 73 Jahre zuvor, vom 11.-15. Juni 1941 (eine Woche vor Beginn des Russlandfeldzuges), versammelte Heinrich Himmler in Wewelsburg die höchsten SS-Offiziere zur Einstimmung auf den Krieg gegen Russland. Ziel war die Germanisierung der Ostgebiete bei gleichzeitiger systematischer Vernichtung der jüdischen Bevölkerung europaweit. In der Stadt und im Kreis Paderborn hatte die erste Phase der Judenverfolgung im Jahr 1933 auch mit dem Boykott jüdischer Geschäfte und die Enteignung der Juden begonnen. Dazu kam die Sachbeschädigung an den jüdischen Häusern, gewaltsame Übergriffe bis hin zur Deportation und Vernichtung. Am 1. März 1943 waren Stadt und Kreis Paderborn "judenfrei".
Bei der Veranstaltung an der Wewelsburg sprach ein Ehepaar offen über die Schuld ihrer Vorfahren. Die Mutter der Ehefrau war während der NS-Zeit  bei der Organisation Todt als Aufseherin von Häftlingen und Zwangsarbeitern tätig gewesen. Der Vater des  Ehemannes hatte sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet. Beide baten um Vergebung und reichten den anwesenden Juden die Hand zur Versöhnung.

Am Nachmittag wurde die Gedenkveranstaltung im Paderborner Rathaus fortgeführt. Neben einem Grußwort des Bürgermeisters Heinz Paus, der eine "hohe Sympathie für Israel" bekundete, gab es auch dort weitere Zeugnisse, Gebete und Momente der Versöhnung. Beim anschließenden eigentlichen "Marsch des Lebens" ging es direkt an die Orte der jüdischen Vergangenheit Paderborns: Die Stelle, an der sich die ehemalige Synagoge befand, die wie so viele andere 1938 zerstört wurde, dem Kassler Bahnhof, an dem in mehreren Schüben Paderborner Juden deportiert wurden, das ehemalige jüdische Waisenhaus und ein ehemaliges jüdisches Kaufhaus, in dem heute ein Café untergebracht ist. Die Botschaft "Nie wieder!" stand dabei an allen Stationen im Mittelpunkt.
Zum Abschluss feierten alle Teilnehmer das "Fest des Lebens" im Rathaus.

 

Hier gibt es einen Artikel über den Marsch des Lebens in Paderborn "Auf Knien um Verzeihung bitten" im Westf. Volksblatt vom 10.06.14, S. 12.

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