600 Teilnehmer bei “längst überfälligem“ Marsch des Lebens in Darmstadt

600 Teilnehmer setzten am 22. März 2015 in der Darmstädter Innenstadt ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus und für Israel. Im Gedenken an die Erniedrigung, Deportation und Ermordung der Darmstädter Juden und Sinti und Roma vor über 70 Jahren liefen sie vom Güterbahnhof vorbei an der Gedenkstätte der orthodoxen Synagoge zum Luisenplatz.

Am Güterbahnhof, von dem aus die jüdischen Bürger 1943 nach Auschwitz deportiert worden waren, erzählte die Enkelin eines damaligen Reichsbahnmitarbeiters über die Verwicklung ihres Großvaters in die Deportationen. An der Gedenkstätte der Orthodoxen Synagoge sprach Martin Frenzel vom Förderverein Liberale Synagoge Darmstadt über die Geschichte der drei Synagogen in Darmstadt, die alle in der Pogromnacht 1938 zerstört worden waren. Er wies auch auf den neu aufflammenden Antisemitismus hin, der sich in Europa auf allen gesellschaftlichen Ebenen erhebt. Den Marsch des Lebens bezeichnete er als eine Veranstaltung, die “längst überfällig“ gewesen sei.

Am Luisenplatz, dem ehemaligen Adolf Hitler Platz, fand die Abschlusskundgebung statt,  zu der Hans-Martin Rommel von der “Initiative Marsch des Lebens Rhein-Main“ die Teilnehmer begrüßte. Frau Susi Wolff las aus den Memoiren ihres Mannes Peter Wolff, der mehrere Konzentrationslager und einen Todesmarsch aus Auschwitz überlebt hatte. Ein junger Mann verlas die Aufzeichnungen seines Großvaters, der mit seiner Familie als Sinti nach Ausschwitz deportiert worden war. Die Urenkel eines überzeugten Nationalsozialisten, der an der Zerstörung der Synagogen Darmstadts beteiligt gewesen war, baten stellvertretend um Vergebung, ebenso ein weiterer Teilnehmer, von Beruf Richter, dessen Großvater als Richter am Sondergericht Darmstadt Todesurteile verhängt und Zwangsarbeiter ausgebeutet hatte.

Anschließend zitierte Jobst Bittner, Leiter der TOS Dienste und Initiator der Marsch des Lebens Bewegung, Charlotte Knobloch mit den Worten: “Das, was wir zur Zeit erleben, ist die kummervollste und bedrohlichste Zeit seit 1945. Die Telefone stehen nicht still und die Postfächer laufen über mit Beleidigungen und Hassparolen, mit denen wir Juden konfrontiert werden.“ Jobst Bittner mahnte an, dass es wichtig sei, in solchen Zeiten auch über theologische Differenzen hinweg gemeinsam gegen Antisemitismus aufzustehen.

Pastor Jürgen Grün legte als Vertreter der Evangelischen Allianz dar, dass ihm die Aufarbeitung der Vergangenheit vor allem deswegen am Herzen liege, weil heute in der Darstellung Israels wieder die alten antijüdischen Mechanismen zu beobachten seien.

Pfarrer Holger Uhde von der evangelischen Melanchthongemeinde in Griesheim zitierte aus dem Grundartikel der Evangelischen Kirche in Hessen Nassau: “Aus Blindheit und Schuld zur Umkehr gerufen bezeugt sie neu die bleibende Erwählung der Juden und Gottes Bund mit ihnen. Das Bekenntnis zu Jesus Christus schließt dieses Zeugnis ein.“

Links:

Ausführlicher Bericht über den Marsch des Lebens auf der Webseite der Evangelischen Allianz Darmstadt

Manuskript der Rede des Vorsitzenden des Förderverein Liberale Synagoge Martin Frenzel

 

 

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