Litauen 2011

Märsche und Veranstaltungen in Vilnius, Kaunas und vier weiteren Städten, 600 Teilnehmer und Berichte in den nationalen Medien.

Vom 22. bis 25.09.2011 fand in sechs verschiedenen Städten Litauens der Marsch des Lebens statt. Ein Team von rund dreißig deutschen Teilnehmern hatte sich gemeinsam mit Freunden aus den USA, Weißrussland und Lateinamerika auf den Weg gemacht, um die Namen der Opfer des Holocaust in Litauen zu ehren, um Vergebung zu bitten und ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Insgesamt nahmen vor Ort etwa 600 Personen an den verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen teil.

Die systematische Aufarbeitung des Holocaust hatte in Litauen erst nach dem EU-Beitritt 2004 eingesetzt und war seitdem nur schleppend vorangegangen. Lange hatte man infolge nationalsozialistischer Propaganda in dem Glauben gelebt, die Juden seien die Hauptverantwortlichen der russischen Besatzung von 1940 gewesen und die deutschen Truppen hätten das Land „befreit“. Große Teile der litauischen Bevölkerung sind nach wie vor antisemitisch eingestellt. Michael und Fausta Maass, die in Litauen die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem vertreten und die Problematik aus eigener Erfahrung kennen, haben sich mit voller Hingabe dafür eingesetzt, den Marsch des Lebens in ihrem Land zu ermöglichen. Michael Maass sagte: „Ich hatte wirklich befürchtet, dass Litauen dafür nicht bereit sei. Aber ich hatte mich geirrt.“

Die litauische Regierung hatte den Marsch des Lebens in Kaunas am 23. September zu ihrem offiziellen Programm zum Holocaust-Gedenktag erklärt. Dort und bei weiteren Veranstaltungen in Vilnius, Panevezys, Plunge, Klaipeda und Mariampole kamen deutsche und litauische Vertreter verschiedener christlicher Konfessionen und Denominationen mit Holocaustüberlebenden und jüdischen Gemeinden zusammen. Nachkommen deutscher und litauischer Massenmörder bekannten sich öffentlich zu ihrer Schuld und baten die Nachkommen der Opfer um Vergebung. Eine Frau, die zufällig vom Marsch des Lebens gehört hatte, musste erschrocken feststellen: „Ich habe als Lehrerin meine Kinder die ganzen Jahre etwas Falsches gelehrt und wusste es selbst nicht anders! Das Ausmaß des Massenmordes wurde nie dargestellt.“ Auch ihr Mann zeigte sich erstaunt, als er auf einen der unscheinbaren Gedenksteine am Wegrand aufmerksam gemacht wurde: „Hier bin ich schon hunderte Male vorbei gefahren, ohne diesen Stein jemals beachtet zu haben.“  Vielerorts war man schon bei den Vorbereitungen auf eine Decke des Schweigens gestoßen, aber ebenso immer wieder auf eine große Bereitschaft einzelner, dieses Schweigen zu durchbrechen. „Von heute an ist für mich die Welt nicht mehr so, wie sie vorher war. Ich muss alles prüfen, was ich vorher für wahr gehalten habe und meine Schüler sogar gelehrt habe“, sagte die Lehrerin.

Bis zu 200 Teilnehmer zogen mit Fahnen von Israel und Litauen durch die Städte und drückten damit ihre Verbundenheit mit Israel und dem jüdischen Volk aus. Auf dem zentralen Platz vor dem Rathaus in der Hauptstadt Vilnius formten die Teilnehmer einen großen, menschlichen Davidstern. Einige Passanten gesellten sich spontan dazu und ließen sich auch nicht von den lauten, antisemitischen Entgleisungen eines alten Mannes aus der Ruhe bringen, der von der Polizei abgeführt werden musste.

Viele litauische Zeitungen, Internetportale und Fernsehsender berichteten über die Veranstaltungen, so dass die Botschaft vom Marsch des Lebens im ganzen Land verbreitet wurde. Immer wieder brachten Überlebende des Holocaust und deren Nachkommen zum Ausdruck, dass sie noch nie zuvor erlebt hatten, wie jemand für die Vergangenheit Verantwortung nimmt und sie um Vergebung bittet. In diesen Tagen wurde das Schweigen gebrochen und Versöhnung wurde möglich. Lena, eine Tochter Holocaustüberlebender, die von ihren traumatisierten Eltern nach ihrer Geburt 1946 in ein Waisenhaus gegeben worden war und dort schlimme Dinge erlebt hat, zögerte erst, mit den Deutschen zu reden. Am Ende sagte sie: „Heute ist in meinem Leben das Licht angegangen und ich weiß, dass ich nie mehr allein bin.“

Sehen Sie weitere Bilder vom Marsch des Lebens in Litauen: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10150306369074632.345355.105272024631&type=1

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