Polen 2012

„Ein wertvoller Beitrag zum polnisch-deutschen Versöhnungsprozess.“ Das waren die Worte von Wlodzimiersz Karpinski, Staatssekretär im polnischen Ministerium für Administration über den Marsch des Lebens.

Vom 19. bis 24. August setzten Nachkommen deutscher Wehrmachts-, Polizei- und SS-Mitglieder gemeinsam mit polnischen Nachfahren der Opfer des deutschen Vernichtungskriegs mit diesem Versöhnungsmarsch ein Zeichen gegen Antisemitismus und für Israel. 270 Gäste aus Deutschland, den USA und Israel liefen gemeinsam mit vielen polnischen Teilnehmern 2200 km zu Fuß durch Polen. In Auschwitz, Kielce, Treblinka und an vielen anderen Orten fanden Gedenkveranstaltungen mit insgesamt 800 Teilnehmern statt, unter ihnen die Vize-Sprecherin der Knesset Lia Shemtov, der israelische Botschafter in Polen Zvi Rav-Ner sowie viele Vertreter aus Politik und Gesellschaft in Polen. Der Marsch des Lebens fand in den internationalen Medien große Beachtung.

Angefacht durch den fanatischen Rassenhass der Nazis war Polen während des Zweiten Weltkrieges zu einem Schauplatz unaussprechlichen Leidens geworden – von den ca. sechs Millionen Polen, die damals ermordet wurden, waren drei Millionen Juden. Angefangen mit dem Kniefall Willy Brandts hat es Schritte und Initiativen der Versöhnung gegeben – aber viele Wunden sind bis heute nicht verheilt.

Siebzig Jahre nach dem Krieg verband der Marsch des Lebens sechs ehemalige Todeslager so miteinander, dass die Route einen symbolischen Davidsstern formte. Gedenkgottesdienste fanden in Warschau, Kielce, Auschwitz-Birkenau, Treblinka, Belzec, Majdanek, Chelmno und Sobibor statt, an vielen Orten kam es zu Begegnungen der Versöhnung mit den Nachkommen der Opfer. Holocaust-überlebende und ihre Nachkommen kamen bei den Gedenkveranstaltungen zu Wort, so z.B. die Überlebende der Schindler-Liste Ruth Sax oder Chaim Hartmann, Sohn der letzten Überlebenden des Ghettos in Kielce. Sie erzählten die oft unfassbaren Geschichten des Leidens.

Über 50 Teilnehmer der deutschen Delegation kamen als Nachkommen von Wehrmachts-, Polizei und SS-Mitgliedern, die am Vernichtungskrieg und Holocaust in Polen beteiligt gewesen waren, und baten an den historischen Orten der Verbrechen ihrer Vorfahren um Vergebung. Viele Medien berichteten über die Teilnehmerin Bärbel Pfeiffer, die bei der Startveranstaltung die Wahrheit über ihren Großvater aussprach, der als Installateur am Bau der Gaskammern und elektrischen Zäune in Auschwitz-Birkenau beteiligt gewesen war.

Die Botschaft der Versöhnung des Marsch des Lebens wurde durch Presse und Fernsehen bis nach China, Indonesien, Venzuela und Qatar auf der ganzen Welt verbreitet. Im polnischen öffentlich-rechtlichen Sender TVP wurde ein ausführlicher Bericht gesendet. Ein Fernsehteam des israelischen Fernsehsenders Channel 10 begleitete den Marsch des Lebens einige Tage – ein vielbeachteter 8-minütiger Bericht wurde in der Hauptnachrichtensendung gebracht.

Auch von offizieller Seite wurde der Marsch des Lebens willkommen geheißen. Die Bürgermeisterin von Warschau Hanna Gronkiewicz-Waltz empfing eine Delegation des Marsches im Rathaus und unterstrich die Bedeutung von Versöhnungsinitiativen für die Beziehungen zwischen Nationen.

Der israelische Botschafter kommentierte den Marsch des Lebens in seiner Ansprache: „Es gibt viele Märsche in Polen, aber dieser ist etwas Besonderes. Deutschland sollte stolz sein auf das, was ihr tut. Es hat eine große Bedeutung!“

In den kommenden Jahren sollen in Zusammenarbeit mit polnischen Kirchen, Gemeinden und internationalen Organisationen weitere Gedenkveranstaltungen und Versöhnungsmärsche stattfinden. Im kommenden Jahr ist eine Marsch des Lebens Veranstaltung vom 19. Bis 21. April anlässlich des 70sten Jahrestags des Warschauer Ghetto-Aufstands geplant.

(Eine ausführliche Dokumentation des Marsch des Lebens in Polen erscheint in den nächsten Wochen.)

Zum Marsch des Lebens:

Der Marsch des Lebens in Polen ist eine Initiative von Jobst und Charlotte Bittner und den TOS Diensten aus Tübingen. Die Initiative wird unterstützt von der israelischen Knesset, der jüdischen Gemeinde in Warschau, Helping Hands Coalition, Association of Ghetto and Holocaust Survivors, Veterans Union of World War II, Fighters Against Nazism, Association of Wounded Soldiers and Partisans who Fought the Nazis, Christen an der Seite Israels, European Coalition for Israel sowie der Pfingstkirche in Polen, dem polnischen Baptistenbund, der Bewegung Polen für Jesus und Shalom Ministries Oscwiecim.

Ähnliche Versöhnungsmärsche haben in mehr als 80 Städten in zwölf Ländern stattgefunden, darunter in Lettland, Litauen, der Ukraine und Deutschland sowie in zahlreichen Städten in den USA und Lateinamerika. Im Rahmen der Versöhnungsmärsche wurden große Veranstaltungen mit öffentlichen Vertretern und tausenden Teilnehmern durchgeführt. Im November 2011 wurde die Initiative des Marsch des Lebens in der israelischen Knesset für ihren besonderen Dienst an Holocaustüberlebenden ausgezeichnet.

Mehr Bilder vom Marsch des Lebens in Polen: 

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Links zu Berichten in den Medien:

Bericht in den Nachrichten des israelischen Fernsehsenders Channel 10

Bericht im polnischen Fernsehsender TVP

Nachricht auf Welt Online

Artikel bei Times of Israel

Nachricht auf Le Figaro (Frankreich)

Nachricht bei El Mundo (Spanien)

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