Gusen: Von der Hölle auf Erden zu einem Ort der Versöhnung

Nahezu 1000 Teilnehmer nahmen Anfang April 2014 am ersten Marsch des Lebens in Österreich von Mauthausen nach Gusen teil.

Die lebendigen Erzählungen von sechs KZ-Überlebenden an den ehemaligen Schauplätzen des Grauens und die Bitte um Vergebung durch Nachkommen der NS-Täter aus Österreich und Deutschland machten Versöhnung greifbar und setzten ein deutliches Zeichen gegen modernen Antisemitismus und Rassismus. 

Josef Pühringer, Landeshauptmann von Oberösterreich, zeigte sich am Begegnungsabend persönlich bewegt von der Initiative "Marsch des Lebens" und dankte den Veranstaltern. Als Politiker machte er das Versprechen, sich aktiv für die Stärkung der Erinnerungskultur in Österreich einzusetzen.

Am folgenden Tag startete der Marsch an der KZ Gedenkstätte Mauthausen. Nach der Begrüßung durch die Veranstalterin Marie-Louise Weissenböck, den polnischen Botschafter Artur Lorkowski, die Vorsitzende der israelischen Kultusgemeinde Charlotte Herman und den Initiator Jobst Bittner setzte sich der Marsch des Lebens, der streckenweise eine Länge von einem Kilometer hatte, in Bewegung. Die Route führte 8 km entlang vier historischer Gedenkpunkte. 

Erster Gedenkpunkt war der ehemalige Steinbruch von Mauthausen. Nach den Augenzeugenberichten der KZ-Überlebenden ergriff ein österreichischer Teilnehmer das Wort. "Das letzte Mal war ich vor 35 Jahren als Rekrut des österreichischen Bundesheeres vor Ort. Ich schäme mich, denn damals haben wir Witze gemacht über die Opfer. Mein Großvater war Polizist in Krakau und an den Gräueltaten im Ghetto direkt beteiligt. In meiner Familie ist bis heute Schweigen und Nazi-Gedankengut wird gepflegt. Ich stehe heute hier und bitte Sie von Herzen um Vergebung!" 

Zweiter Gedenkpunkt war die Gedenkstätte der "vergessenen Lager" von Gusen. Diese Lager sind selbst in Fachkreisen relativ unbekannt, obwohl dort von 1942 bis 1945 mehr Personen interniert waren als in Mauthausen. 44.000 Menschen wurden dort ermordet. Martha Gammer, Vorsitzende des Gedenkdienstkomitees Gusen, erläuterte die Geschichte des Ortes. Anschließend wurde mit Psalmen und 6 Kerzen der Ermordeten gedacht.

Der dritte Gedenkpunkt - nur wenige hundert Meter entfernt - war eine Wiese mitten in einer Wohnsiedlung. Nichts erinnert hier mehr an das Lager Gusen II, das, wie die Überlebenden in ihren Berichten erläuterten, mit einer Todesrate von 84 % zu den grausamsten Konzentrationslagern überhaupt gehörte. Ytzak Bronstein, der 1944 als 16 -jähriger aus Auschwitz nach Mauthausen und Gusen deportiert wurde, kam beim Marsch des Lebens zum ersten Mal nach 69 Jahren wieder an den Ort seines Leides zurück: "Als ich das letzte Mal hier war, wurde ich gezwungen zu kommen. Diesmal wurde ich von Freunden eingeladen - ich danke Ihnen für diese besondere Initiative!"

Den vierten und letzten Gedenkpunkt bildete der Ort der ehemaligen Stollenanlage in St. Georgen an der Gusen. 8.000 Menschen mussten ihr Leben lassen, um eine streng-geheime unterirdische Fabrik für Messerschmitt Düsen-Jets in die Felsen zu treiben. Zum ersten Mal überhaupt sagte hier Ober-Kantor Shmuel Barzilai aus Wien gemeinsam mit den Überlebenden das Kaddish. Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche sowie von Freikirchen sprachen ein gemeinsames Schuldbekenntnis. Zum Abschluss verlasen Marie-Louise Weissenböck und Jobst Bittner eine gemeinsame Erklärung: "Wir bekennen gemeinsam und versprechen, dass wir gegen jede Form von Judenhass und modernen Antisemitismus unsere Stimme erheben, jüdisches Leben als Teil unserer österreichischen Identität willkommen heißen und nicht aufhören werden Israel zu segnen."

Damit ging der erste Marsch des Lebens in Österreich zu Ende. Mehrere Märsche des Lebens an verschiedenen Orten in Österreich sind für das Jahr 2015 bereits in Planung. 

Weitere Informationen zu Marsch des Lebens Österreich finden Sie hier, und mehr Bilder gibt es auf unserer facebook-Seite

 

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