Ehrung für Holocaustforscher Gideon Greif

Am letzten Donnerstag überreichte der Marsch des Lebens e.V. in Jerusalem erstmalig den Marsch des Lebens Preis. Er wurde dem weltweit renommierten Auschwitz-Historiker Prof. Dr. Gideon Greif verliehen.

Etwa 80 Gäste fanden sich am Abend des 15.12.2016 im King David Hotel in Jerusalem ein, um der Zeremonie beizuwohnen. Unter ihnen waren Robert Ilatov, Mitglied des israelischen Parlaments, Ephraim Zuroff, Direktor des Simon Wiesenthal Centers in Jerusalem, Jürgen Bühler, Leiter der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem, sowie zahlreiche weitere Vertreter des gesellschaftlichen Lebens in Israel.

Der Marsch des Lebens Preis ist eine mit 6000 Euro dotierte Auszeichnung, die der Marsch des Lebens e.V. von nun an jedes Jahr verleiht. Mit diesem Preis werden Personen ausgezeichnet, die wertvolle Beiträge zur Aufarbeitung der Schoa geleistet haben, sich um die Versöhnung zwischen Tätern und Opfern des Holocaust und deren Nachkommen in besonderer Weise verdient gemacht haben oder den Staat Israel auf besondere Weise unterstützen.

Der 1951 in Tel Aviv geborene Historiker Prof. Gideon Greif stammt aus einer deutschsprachigen jüdischen Familie. Zwischen 1983 und 2009 arbeitete er im Yad Vashem Holocaust Museum in Jerusalem als Redakteur, Forschungsleiter und Pädagoge und war Dozent an der International School for Holocaust Studies. Seit 2009 ist er am Shem Olam Institute for Education, Documentation and Research on Faith and the Holocaust in Israel tätig. Greifs umfassende Forschung zum jüdischen Sonderkommando in Auschwitz, die 1995 in seinem Buch „Wir weinten tränenlos“ veröffentlicht wurde, ist bis heute ein Meilenstein in der Aufarbeitung der Schoa. Es diente als Grundlage für den oscarprämierten Film „Son of Saul“, der in diesem Jahr weltweit berühmt wurde.

Jobst Bittner hob in seiner Laudatio die besondere Qualität der historischen Forschung von Prof. Greif hervor, der in seinen Arbeiten neben der genauen und detaillierten Recherche in Archiven immer auch die Menschen selbst zu Wort kommen lasse. Geschichte sei nicht anonym, sondern sie habe Gesichter und Namen. Wann immer jemand diese Geschichten an sein Herz lasse, sei er danach nicht mehr derselbe. Dies sei, so erklärte Prof. Greif in seiner Dankesrede, für ihn seit 40 Jahren die größte Motivation, alle Kraft, Energie und Talent in die Aufarbeitung der Schoa zu investieren. Keines der Opfer solle vergessen werden. Für ihn sei die tiefe Liebe für das jüdische Volk und die Solidarität mit dem Staat Israel, die er bei den Märschen des Lebens gesehen habe, eine große Ermutigung und er sei tief geehrt, den ersten Marsch des Lebens Preis zu erhalten.

Josh Reinstein, Direktor des Christian Allies Caucus, dankte der Marsch des Lebens Bewegung, weil Juden und Israelis heute angesichts des neu aufflammenden Antisemitismus nicht alleine stünden, sondern Freunde an ihrer Seite wüssten, die sich öffentlich zu ihnen stellten.

Der Gründer und Vorsitzende des Rehabilitationsdorfes für schwerbehinderte Menschen „ALEH Negev-Nahalat Eran“, Generalmajor Doron Almog, wies in seinem sehr persönlichen Grußwort darauf hin, dass behinderte Menschen die ersten Opfer der nationalsozialistischen Ideologie waren. Eine Gesellschaft könne daran gemessen werden, wie sie ihre schwächsten Mitglieder behandle. Als Vater eines schwerstbehinderten Kindes habe er gesehen, wie sehr der Wert eines Menschen auch heute an seiner Leistung bemessen werde.

Die Ministerin für Soziale Gleichheit, Gila Gamliel, sandte eine Videobotschaft, in der sie ihre Dankbarkeit gegenüber der Arbeit vom Marsch des Lebens ausdrückte. Der gesamte Abend war von tiefer Wertschätzung gegenüber der Aufarbeitung des Holocaust geprägt, wie sie einerseits durch die Forschung Prof. Greifs geschieht, andererseits durch die persönliche Aufarbeitung der Familiengeschichte, zu der die Marsch des Lebens Bewegung ermutigt.

Nach der Übergabe des Preises sangen Vertreter des Marschs des Lebens die israelische Nationalhymne und erzählten die Geschichten ihrer Großeltern und Urgroßeltern, die aktiv an den Verbrechen der Nationalsozialisten beteiligt gewesen waren. Sie überreichten den anwesenden Holocaustüberlebenden als Zeichen der Wertschätzung weiße Rosen. Der Abend endete mit einem Empfang mit Blick auf die Altstadt Jerusalems. 

 

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