„Die Opfer waren hier vor unserer Haustüre“

 

Bewegende Momente beim Marsch des Lebens in Ueckermünde

Am 27. Januar, dem Internationalen Holocaustgedenktag, fand im Seebad Ueckermünde zum dritten Mal ein Marsch des Lebens statt.

Gemeinsam mit dem Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. und der Stadt organisierte die Ueckermünder Arche einen Gedenktag mit zahlreichen Veranstaltungen, die sowohl an die Euthanasie-Morde an Behinderten und psychisch Kranken sowie an die Deportation der jüdischen Bevölkerung erinnerten. Der Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in der AMEOS Klinik, Dr. med. Matthias Kinder, deckte die Fakten aus der Vergangenheit des Krankenhauses auf. Während man bisher von einer Opferzahl von 1000 ausgegangen war, musste die Zahl nach jüngsten Forschungen auf 4000 korrigiert werden. Noch bevor das T4 Programm offiziell anlief, wurden Patienten deportiert und in den Wäldern erschossen oder durch Medikamente und Nahrungsentzug getötet.  

Etwa 150 Teilnehmer waren zur Kranzniederlegung am Denkmal bei der Klinik erschienen. In einer Region, in der rechte Parteien großen Zuspruch erhalten und man sich lange gegen die Aufarbeitung der Geschichte gesträubt hatte, waren die persönlichen Reden der offiziellen Vertreter besonders außergewöhnlich. Der Parlamentarische Staatssekretär Pommern-Greifwalds, Patrick Dahlemann, lobte die lebendige Erinnerungskultur in Ueckermünde: „Ich bin stolz auf Sie. Mich haben die persönlichen Reden sehr berührt. Die Täter und Opfer waren nicht irgendwo, sondern hier vor unserer Haustüre, sie waren nicht irgendwer, sondern teilweise unsere eigenen Eltern und Großeltern.“  

Im Zentrum der Redebeiträge stand der jüdische Arzt Dr. Hans Glaser, der bis 1938 am Ueckermünder Krankenhaus tätig war, bevor er Berufsverbot erhielt. 1943 wurde er in eben diesem Krankenhaus wegen einer Lungenerkrankung operiert. Auf Anordnung der SS musste Frau Glaser ihren Ehemann direkt nach der Operation mit einer Schubkarre nach Hause bringen, wo er nach wenigen Tagen verstarb. Der Bürgermeister Gerd Walther bat sichtlich bewegt die Enkelin von Dr. Hans Glaser im Namen der Stadt Ueckermünde um Vergebung. Er forderte die Teilnehmer auf: „Es gilt weiter nach Spuren zu suchen. Wir wollen die Familien heute ermutigen, über die eigene Geschichte zu sprechen, Fragen zu stellen, auch wenn es vielleicht schmerzt.“

Im Anschluss an den Marsch des Lebens wurde im Rathaus die Wanderausstellung der Berliner Akademie der Künste „Kinder im Exil“ eröffnet. Schüler des örtlichen Gymnasiums werden in den kommenden Wochen Führungen anbieten und die persönlichen Briefe, Zeichnungen und Erinnerungen von jüdischen Kindern im Exil präsentieren. Zahlreiche Vereine und Gruppen trugen zu dem abwechslungsreichen Programm des Holocaustgedenktages in Ueckermünde bei. Darunter waren auch ehemalige Patienten der Psychiatrie und eine Singergruppe einer lokalen psychosozialen Einrichtung. Sie zeigten in beispielhafter Weise, wie gemeinsam gelebte Erinnerungskultur aussehen kann.

Medienberichte:

NDR: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/Gedenken-an-Opfer-des-NS-Euthanasieprogramms,nordmagazin40106.html

Homepage der Klinik: www.ameos.eu/standorte/ameos-nord/ueckermuende/ameos-klinikum-ueckermuende/aktuelles/show/gedenkveranstaltung-fuer-die-opfer-des-nationalsozialismus/ 

 

 

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