Tübingen: 600 Menschen setzen ein Zeichen gegen Judenhass

Mit Plakaten wie “Wir zeigen Antisemitismus die rote Karte“ oder “Stimme erheben gegen Judenhass“ und vielen Israelflaggen zogen die über 600 Teilnehmer vom Denkmal der im November 1938 zerstörten Synagoge zum Tübinger Marktplatz.

Aufgerufen dazu hatte das “Aktionsbündnis Solidarität mit Israel“. Passanten schlossen sich spontan dem friedlichen und fröhlichen Zug an. In der entspannten Atmosphäre konnte auch eine Handvoll Gegendemonstranten mit einer Palästina-Fahne in Ruhe mit den Teilnehmern der Demonstration ins Gespräch kommen.

Bei der Kundgebung fanden die Sprecher deutliche Worte zu der sehr ernsten Thematik. Organisator Jobst Bittner sprach in seiner Einführung vom latenten Antisemitismus in der Mitte der deutschen Gesellschaft und von der Wichtigkeit, die Stimme dagegen zu erheben. Er rief dazu auf, “Gleichgültigkeit hinter sich zulassen“ und “das Schweigen zu zerbrechen“. Stephan J. Kramer, Antisemitismusbeauftragter des American Jewish Comittee, sprach über die Gefahren des Antisemitismus für Juden, Deutschland und die europäische Demokratie. “Es reicht nicht, aus der Geschichte gelernt zu haben und jedes Jahr zu gedenken, es müssen auch Taten folgen!“ Im Zusammenhang mit dem Krieg in Gaza rief er zur eindeutigen Solidarität mit Israel auf: “Wer gegen den Antisemitismus in Europa Stellung bezieht, Israel aber im Regen, oder genauer im Raketenhagel stehen lässt, kann nicht von sich behaupten, sich der Jagd auf Juden wirklich entgegengestellt zu haben.“ Kramer betonte aber, dass sachliche Kritik an israelischer Regierungspolitik, wie sie in Israel selber sehr lebendig ist, kein Antisemitismus sei. Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer erzählte von eigenen Erfahrungen mit Judenhass, die er in seiner Kindheit gemacht hatte. Er wurde damals mit den Worten “Die haben nur vergessen, deinen Vater zu vergasen“ aus dem Freibad gejagt. Palmer, dessen Großvater jüdisch gewesen war, bedankte sich bei allen Beteiligten der Demonstration und drückte ihnen seinen Respekt aus.

Am Ende des Redeteils kamen zehn Teilnehmer der Demonstration auf die Bühne, um zu erklären, warum sie gegen Antisemitismus und Judenhass die Stimme erheben. Einige berichteten von ihren Vorfahren, die am Holocaust beteiligt waren, andere von persönlichen Erfahrungen mit Antisemitismus. Nach einem jüdischen Tanz durch eine Tübinger Tanzgruppe wurden zum Abschluss der Kundgebung hunderte blau-weiße Luftballons mit der Aufschrift “Shalom“ in den Tübinger Abendhimmel steigen gelassen - daran befestigt auf einer kleinen Karte die Botschaft des Tages: “Nie wieder Antisemitismus und Judenhass - Solidarität mit Israel“.

Bericht in der SWR Landesschau: swrmediathek.de/player.htm

Der Aufruf zur Demonstration:

Nie wieder Antisemitismus und Judenhass! Solidarität mit Israel

Wann: Donnerstag, 31. Juli 2014
Start: am Denkmal Synagogenplatz, Gartenstr. 33, Tübingen: 17.00 h
Abschlusskundgebung:  auf dem Marktplatz vor dem Rathaus: 17.30 h

Wenn in Städten in ganz Deutschland Parolen wie “Kindermörder Israel“ und “Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf' allein“ zu hören sind, dann ist eine rote Linie überschritten. Wenn Juden in Europa auf der Straße nicht mehr sicher sind und tätlich angegriffen werden, dann ist es Zeit, die Stimme zu erheben.

Bundespräsident Joachim Gauck hat angesichts der jüngsten antisemitischen Parolen bei Kundgebungen mehr Zivilcourage verlangt. "Ich möchte alle Deutschen und alle Menschen, die hier leben, auffordern, immer dann ihre Stimme zu erheben, wenn es einen neuen Antisemitismus gibt, der sich auf den Straßen brüstet."

Vor 70 Jahren wurden Juden in ganz Europa durch Deutsche aus allen Schichten der Gesellschaft dämonisiert, ausgegrenzt, entrechtet und ermordet. Seit dieser Zeit hat es antijüdische Aufmärsche der Art, wie wir sie heute sehen, nicht mehr gegeben. Wir rufen dazu auf, Antisemitismus und Judenhass auf unseren Straßen im Jahr 2014 frühzeitig die rote Karte zu zeigen!

Veranstalter: Aktionsbündnis Solidarität mit Israel 

Unterstützer:

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