Polen und Deutsche gemeinsam für Versöhnung und gegen Hass und Antisemitismus

Am 17. Januar 1945 begann mit den Todesmärschen in Auschwitz das letzte fürchterliche Kapitel des Holocaust. 70 Jahre später, am 17. und 18. Januar 2015, liefen rund 500 Polen und Deutsche gemeinsam auf den historischen Todesrouten: für Erinnerung, Versöhnung und für Israel - gegen Antisemitismus und Hass.

“Wir dürfen als Christen durch unsere Gleichgültigkeit nie wieder zu Mittätern werden." So fasste Weihbischof Grzegorz Rys aus Krakau bei der Abschlussveranstaltung in Oswiecim (Auschwitz) eines der zentralen Anliegen des Marsch des Lebens zusammen. “Unsere Väter hätten nicht im Traum daran gedacht, dass die schlimmsten Feinde zu besten Freunden werden würden.“ So beschrieb einer der polnischen Veranstalter die besondere Atmosphäre der Freundschaft zwischen Polen und Deutschen sowie Christen und Juden während des Marsch des Lebens. 

 

Zur Einleitung der Veranstaltungsreihe gab Prof. Gideon Greif, Holocaustforscher aus Tel Aviv, einen historischen Überblick über die Todesmärsche, die das Land buchstäblich mit einer Blutsspur überzogen hatten. Bei bis zu -30°C in offenen Waggons oder zu Fuß im Schnee, nur dünn bekleidet, unterernährt und entkräftet hatten Tausende Menschen ihr Leben verloren. Direkt vor den Augen der Bevölkerung und teils nur wenige Stunden vor der Befreiung durch die Alliierten waren alle erschossen worden, die nicht mehr weiterkonnten. 

 

Bereits am Vormittag des 17. Januar 2015 sind etwa 250 Teilnehmer in gemischt polnisch-deutschen Teams eine der historischen Routen zwischen Gliwice und Oswiecim als Zeichen der Buße und Versöhnung gemeinsam gelaufen.

 

Bei der anschließenden Gedenkveranstaltung ermahnte Yechiel Aleksander, der einen der Todesmärsche aus Auschwitz überlebt hat, vor allem die junge Generation: “Wer nicht an gestern und vorgestern denkt, kann nicht für morgen planen.“ Der offizielle Vertreter der Stadt Gliwice, Andrzej Karasinski, zeigte sich bewegt von der Veranstaltung und erzählte von seinem Großvater, der ebenfalls von der Gestapo verhaftet worden war und einen der Todesmärsche überlebt hatte. Zwei Schwestern aus Deutschland erzählten von Ihren Großvätern, die im damals deutschen Gleiwitz als Kriminalpolizist und Reichsbahn-Angestellte gearbeitet hatten und direkt am Holocaust beteiligt gewesen waren, und baten stellvertretend um Vergebung. Auch die polnischen Teilnehmer bekannten ihre Schuld den Juden gegenüber und baten für Kollaboration, Denunziation und Gleichgültigkeit um Vergebung.

 

Zielpunkt des Marsch des Lebens war am darauffolgenden Tag das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, wo die Todesmärsche begonnen hatten. Über 500 Teilnehmer liefen gemeinsam die ehemalige “Todesstraße“ entlang, die zu den Gaskammern führte. Am historischen Ort der Selektion, der Rampe in Auschwitz-Birkenau, brachen deutsche Kinder und Enkel von NS-Tätern das Schweigen über der Schuld ihrer Väter und Großväter. Eine Frau berichtete, dass ihr Großvater bei der Installation der Elektrozäune und Gasleitungen in Auschwitz beteiligt gewesen war. Im Gebet schlossen die Teilnehmer danach an diesem Ort des Todes einen Bund für das Leben und segneten Polen und Israel. 

 

Den Schlusspunkt des Marsch des Lebens setzte danach das “Fest des Lebens“, das in einer Konferenzhalle nur wenige hundert Meter entfernt vom ehemaligen Stammlager Auschwitz stattfand. Bewegt von der Atmosphäre der Freude sagte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Katowice, Waodzimierz Kac: “Ich komme nicht gerne nach Auschwitz. Aber dank euch habe ich heute hier zum ersten Mal ein Gefühl der Freude gehabt. Ich habe eine solche Gemeinschaft und Freundschaft bei euch gespürt, dass ich wirklich mit Hoffnung in die Zukunft schauen kann.“ Diesen positiven Blick in die Zukunft unterstrich Jobst Bittner, Initiator der Marsch des Lebens Bewegung: “Der 70. Jahrestag der Todesmärsche markiert eine besondere Zeit, in der für Polen und Deutschland, eng an der Seite Israels, ein neues Segenskapitel aufgeschlagen wird.“

Der Marsch von Gliwice nach Oswiecim war der Auftakt für über dreißig weitere Märsche des Lebens, die bis Mai 2015 im Gedenken an die Todesmärsche in Deutschland und Österreich stattfinden werden.

 

Medienberichte über den Marsch des Lebens in Polen

 

Deutsche Welle TV-Beitrag:
http://dw.de/p/1EMQE

 

Deutsche Welle Reportage (polnisch):
http://dw.de/p/1EMYN
 

 

TV Imperium, lokales Fernsehen in Gliwice (polnisch):
https://www.youtube.com/watch?v=w26QyIwxZ1c

 

Gosc, lokale Zeitung in Gliwice (polnisch):

http://gliwice.gosc.pl/doc/2327099.Pamieci-ofiar-Marszu-Smierci

 

TVS, regionales Fernsehen in Oberschlesien (polnisch):

http://www.tvs.pl/informacje/niemcy-i-polacy-wspolnie-przeszli-w-marszu-zycia-gliwice-oswiecim-2015-zdj%C4%99cia

 

Bericht auf der Webseite der Stadt Gliwice (polnisch):https://gliwice.eu/aktualnosci/miasto/na-znak-pamieci-i-pojednania 

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