Marsch des Lebens in Dresden: “Wir waren keine unschuldige Stadt“

“Diese Stadt hat Schuld in der Zeit des Nationalsozialismus auf sich geladen.“ Das betonte B“rgermeister Winfried Lehmann in seiner Ansprache am 27. Januar während des Marsch des Lebens Gedenkgottesdienstes in der Dresdner Kreuzkirche mit vielen Beispielen und traf damit die Kernbotschaft der Veranstaltung auf den Punkt. Etwa 300 Teilnehmer waren zuvor von den ehemaligen “Gühlewerken“ über die Augustusbrücke in die Innenstadt gelaufen. Die Gühlewerke, in denen Dresdner Juden Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie hatten leisten müssen, stehen für viele Orte des NS-Unrechts in Dresden: KZ-Außenlager, Orte von Zwangsarbeit, die Fliegerschule, die SS-Mullahschule u.a.

Der persönliche Blick auf diese oft unterbelichtete Seite der Dresdner Geschichte stand dann auch im Mittelpunkt: Der Veranstalter des Marsch des Lebens, Stadtrat Lothar Klein, machte in seiner historischen Übersicht des NS-Unrechts deutlich, dass “der 14. Februar 1945 (der Tag der Zerstörung von Dresden) nicht ohne den 9. November 1938“ gedacht werden dürfe. Eine Dresdnerin erzählte von ihren Eltern, die als überzeugte Nazis in der Stadt gelebt hatten und als BDM-Führerin bzw. Lehrer an der Napola-Schule an den erzieherischen Grundlagen des Holocaust gearbeitet hatten.

Eine Frau aus Süddeutschland berichtete von ihrer Mutter, die den 14. Februar 1945 in Dresden miterlebt hatte, Zeit ihres Lebens nicht aus der Opferrolle herausgekommen war und damit viel Unfrieden in der Familie bewirkt hatte. Die Problematik des Schweigens in den Familien über die NS-Schuld und der daraus resultierenden Opferrolle griff Marsch des Lebens Initiator Jobst Bittner in seiner Rede auf und rief dazu auf, “Verleugnungssysteme“ in den Familien und in der Gesellschaft zu überwinden. Gerade Kirchen und Gemeinden hätten heute die Verantwortung, öffentlich gegen Hass und Antisemitismus Zeichen zu setzen.

Zum Abschluss des Gedenkgottesdienstes in der Kreuzkirche sprach der Dresdner Pfarrer Michael Schubert ein Bußgebet, in dem er neben dem Unrecht der Nazizeit auch die Verstrickung und das Schweigen der Kirche zum Holocaust und den latenten Antisemitismus in der Zeit der DDR im Gebet vor Gott brachte.

Eine kleine Randnotiz, die viele Teilnehmer des Marsch des Lebens erfreute: Am Tag nach dem Marsch des Lebens in Dresden wurden alle Pegida-Demonstrationen abgesagt, der Vorstand des Vereins löste sich auf. 

Medienberichte:

https://mopo24.de/nachrichten/schon-wieder-eine-demo-in-dresden-4155

Bericht in der BILD Zeitung (pdf)

Bericht in den Dresdner Neuesten Nachrichten (pdf)

Downloads:

Rede von Winfried Lehmann

Bussgebet von Michael Schubert

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