2. Marsch des Lebens in Ueckermünde

Am 27. Januar 2016 fand der zweite Marsch des Lebens in Ueckermünde statt, bei dem Bürgermeister Walther die Entschuldigung der Stadt gegenüber den Hinterbliebenen erneuerte.

Nach der Eröffnungsveranstaltung am Ueckerdamm-Parkplatz gingen die rund 50 Teilnehmer zum Haus von August Senger, um dem im KZ Theresienstadt Ermordeten zu gedenken. Der von der Stadt Ueckermünde und der Ueckermünder Arche veranstaltete Marsch führte weiter zum ehemaligen jüdischen Gebetshaus und von dort weiter an das ehemalige Modegeschäft von Margarete Ruschin in der Ueckerstrasse. Am dortigen Gedenkstein sprach Bürgermeister Gerd Walther nach einer gemeinsamen Gedenkminute. Die Jüdin Margarete Ruschin hatte bis 1936 in Ueckermünde gelebt, bevor sie mit ihrem Ehemann Julius Simon nach Berlin gezogen war. Von dort waren sie am 29. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet worden. Ihr Enkel Professor Schlomo Ruschin reiste für den  diesjährigen Marsch extra aus Israel an.

Bei der anschließenden Kundgebung auf dem Marktplatz sprach unter anderem Gudrun Sandhofe aus Ueckermünde über die Geschichte ihres Großvaters, der in der SA war, die maßgeblich an den Pogromen an jüdischen Geschäften beteiligt war. Nach einem musikalischen Beitrag folgte eine Gedenkveranstaltung im Bürgersaal.

Dort bedankte sich Schlomo Ruschin bei Bürgermeister Gerd Walther und Pastor Lorenz Sandhofe für die Einladung und die Möglichkeit, seine Geschichte und seine Gefühle zu teilen. Er erzählte, dass er sich lange gefragt habe, warum die deutschen Juden trotz des Naziregimes so lange in Deutschland geblieben seien. “Wieso sind sie nicht geflohen?“ Erst in dem Buch “Zu einer anderen Zeit“ von Amos Elon über die Geschichte der deutschen Juden fand er die Antwort, dass sie ihre 2000-jährige Geschichte in Deutschland nicht einfach aufgeben wollten. “Sie liebten Deutschland, den Ort, die Sprache, die Kultur, aber ihre Liebe war einseitig. Sie wurde erwidert mit Hass, Misshandlung und Tod.“

Der Marsch des Lebens 2015 war die erste offizielle Veranstaltung zum Holocaustgedenktag in Ueckermünde. Er soll nun jedes Jahr gegen das Vergessen und modernen Antisemitismus und für die Versöhnung zwischen den Nachkommen der Täter und der Opfer durchgeführt werden.

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