Erste Märsche des Lebens in der Schweiz

Am 4. und 5. Mai 2016 fanden anlässlich von Jom HaSchoa zum ersten Mal Märsche des Lebens in der Schweiz statt.

Am 4. Mai zog der erste “Marsch des Lebens für Israel“, wie der Schweizer Name lautet, durch St. Gallen. Am nächsten Tag folgte ein Marsch in der Grenzstadt Riehen, Basel. Insgesamt gingen in diesen Tagen in der Schweiz rund 400 Menschen gegen das Vergessen und für Israel auf die Straße. Ende 2015 hatte Jobst Bittner bei einem Visionstreffen in der Schweiz vor 40 Leitern verschiedener christlicher Israelwerke und Gemeinden die Marsch des Lebens Bewegung vorgestellt.

Christoph Meister, Leiter der Israel-Werke Schweiz, der den Marsch in Riehen maßgeblich organisiert hatte, wurde in der Riehener Zeitung mit den Worten zitiert: “Es geht nicht darum, das deutsche Vorbild zu kopieren, da die Situation in der Schweiz eine andere war. Doch wir müssen uns bewusst sein, dass auch hier bei uns Schlimmes stattgefunden hat.“ Gerade in Riehen waren viele Juden, die versucht hatten, aus Deutschland vor den Nazis in die Schweiz zu fliehen, von der Grenzpolizei aufgegriffen und zurückgeschickt worden - die meisten von ihnen in den sicheren Tod.

In Riehen gibt es für diese Flüchtlinge eine Gedenkstätte, die offizieller Mitveranstalter des Marsch des Lebens war. Hier fand auch die Auftaktveranstaltung statt. Die Evangelische Allianz Basel unterstützte den Aufruf ebenfalls.

Der badische Landesrabbiner Moshe Flomenmann bezeichnete den Einsatz der Christen beim Marsch des Lebens als ein “Zeichen der Hoffnung“. Er sang bei der Veranstaltung das jüdische Gebet El Male Rachamim im Gedenken an die Opfer des Holocaust.

Die Zeitzeugin und langjährige Präsidentin der jüdischen Flüchtlingshilfe in der Schweiz Myrthe Dreyfuss erzählte aus der schwierigen Vergangenheit in der Baseler Gegend. Eine der schlimmsten Taten sei die Einführung des “Judenstempels“ in den Pässen gewesen, für die die Schweizer Behörden mitverantwortlich waren. Dieser Stempel habe ein legales Einreisen von verfolgten Juden in die Schweiz schon ab 1938 weitgehend unmöglich gemacht. Jüdische Flüchtlinge wurden zudem nur geduldet, wenn sie nachweisen konnten, dass sie eine Weiterreise ins Ausland planten.

Auch Nachkommen der Täter brachen beim Marsch des Lebens das Schweigen über ihren Familiengeschichten und baten die Vertreter der jüdischen Gemeinschaft um Vergebung. An verschiedenen Wegstationen wurde über den Antisemitismus in der Schweiz vor und während des Zweiten Weltkrieges aufgeklärt. Ein Teilnehmer des Marsches sagte unter Tränen: “Ich habe das alles nicht gewusst.“

Beim Marsch des Lebens in St. Gallen unterzeichneten über hundert Teilnehmer öffentlich eine Stellungnahme, in der sie sich festmachten, nie wieder zu Antisemitismus zu schweigen. Zusammen mit einer Geldspende wurde dieses Bekenntnis den jüdischen Bürgern der Stadt überreicht.

Der Marsch war vom Messianisch-Christlichen Center St. Gallen organisiert worden. “Als Christen brauchen wir ein Umdenken, denn es kann nicht sein, dass wir Jesus lieben und gleichzeitig gegen sein Volk sind. Wie können wir ein Volk, welches Gott angenommen hat, ablehnen?“, fragte Pastor Walter Bachmann. “Deshalb wollen wir uns an die weltweite Bewegung des Marsch des Lebens anschließen und so Versöhnung mit dem jüdischen Volk suchen.“

 

Bericht: Tagblatt St. Gallen 

Fotos: Facebook March of Life

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