“Marsz Zycia ku pojednaniu“ in Kielce

70 Jahre nach dem berüchtigten Pogrom an jüdischen Holocaustüberlebenden in Kielce/Polen fand am 3. Juli 2016 ein “Marsch des Lebens zur Versöhnung“ mit 400 Teilnehmern aus ganz Polen statt, unter ihnen die israelische Botschafterin Ana Azaria und zahlreiche Nachkommen von Überlebenden des Pogroms, die aus Israel angereist waren.

Bereits am Vorabend hatte der Holocaustforscher Prof. Dr. Gideon Greif in einem historischen Vortrag die Geschichte des Kielcer Pogroms beleuchtet, bei dem 42 Juden, die gerade dem Horror des Holocaust entkommen waren, auf brutale Weise mit Steinen erschlagen wurden - von einem Mob Kielcer Bürger, die von Militär und Behörden unterstützt wurden. Auslöser war das Gerücht über den Ritualmord an einem 8-jährigen Jungen, das in dem latenten Antisemitismus der Bevölkerung einen vorbereiteten Boden für den brutalen Gewaltausbruch fand.

Jobst Bittner, Gründer des Marsch des Lebens, mahnte bei der Startveranstaltung angesichts dieser schrecklichen Geschichte dazu, auch heute nicht zu schweigen, wenn alte antisemitische Vorurteile wieder neu belebt werden - so wie es zuletzt der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde Mahmoud Abbas tat, als er vor dem europäischen Parlament israelische Rabbiner in den Verdacht zog, das Wasser zu vergiften, das der arabischen Bevölkerung geliefert wird. Damit belebte er das mittelalterliche Stereotyp des jüdischen Brunnenvergifters - die Abgeordneten im Europaparlament nahmen das regungslos hin und quittierten die Rede von Abbas mit Standing-Ovations.

Die Tochter einer Überlebenden des Massakers von Kielce, berichtete von den traumatischen Folgen in ihrer eigenen Familie nach dem Holocaust - ihre Mutter hatte zu ihr immer wieder gesagt: “Meine Eltern hatten Glück, dass sie in den Gaskammern von Auschwitz ums Leben gekommen sind - so ist ihnen das Pogrom in Kielce erspart geblieben.“ Edward Czwierz, Veranstalter des Marsches und Marsch des Lebens Koordinator in Polen nahm diesen sehr persönlichen Bericht auf und bat als Kielcer Bürger und Nachkomme der Generation, die das Pogrom verübt hatte, um Vergebung. In Anlehnung an die Bibelstelle Jes. 60,14 verbeugten sich anschließend 12 Kielcer Bürger vor der israelischen Delegation und übergaben ihnen weiße Rosen. Sie verlasen eine Deklaration, in der zum Ausdruck kam, dass sie für vergangenen polnischen Antisemitismus Verantwortung nehmen wollen und zu modernem Antisemitismus nicht mehr schweigen werden.

Veranstaltungsort der Auftaktveranstaltung waren die Räumlichkeiten der freikirchlichen “Wieczernik“ Gemeinde in einem ehemaligen Industriekomplex - vor 70 Jahren befand sich hier die Ludwikow Stahlfabrik, von der ein Mob von Arbeitern loszog, um sich am Pogrom zu beteiligen. Hier startete nun anstatt eines "Marsches zum Tod" der Marsch des Lebens. In der Innenstadt schlossen sich die Teilnehmer den Gedenkveranstaltungen der Jan-Karski-Gesellschaft an, die am Ghetto-Denkmal, am historischen Schauplatz des Pogroms und auf dem jüdischen Friedhof stattfanden.

Am Abend fand der Tag mit einem "Fest des Lebens" einen hoffnungsvollen Abschluss. Jüdische Musik und Tanz brachten zum Ausdruck, dass jüdisches Leben heute in Kielce wieder willkommen ist.

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