„Wenn Licht in die Finsternis einbricht“ - Chanukka 2018 in Tübingen

Mit viel Musik, Tanz und Freude wurde auch in diesem Jahr wieder das jüdische Lichterfest Chanukka öffentlich in Tübingen gefeiert.

An jedem Abend während des Festes kamen Juden, Christen, internationale Gäste und zahlreiche Tübinger Bürgerinnen und Bürger zusammen, um eine weitere Kerze des achtarmigen Chanukka-Leuchters an geschichtsträchtigen Orten in der Stadt anzuzünden. In einer Zeit, in der Antisemitismus auf den Straßen wieder laut wird, steht Chanukka für lebendiges jüdisches Leben, das trotz Dunkelheit nicht ausgelöscht werden kann.

Mitten im Herzen Tübingens wurde am ersten Abend des Festes die Ausstellung „Aufdecken – Entdecken. Das Schweigen zerbrechen“ am Tübinger Marktplatz (in den Kellerräumen der christlichen Bücherhandlung Treffpunkt Jesus live) eröffnet. Die Ausstellung zeigt den langen Weg der Aufarbeitung in Tübingen und Deutschland seit 1945. Neun verschiedene Stationen veranschaulichen die persönlichen Geschichten von Familien, die ein aktiver Teil des Nationalsozialismus waren, sowie Biographien von Holocaustüberlebenden und auch die internationale Arbeit der Marsch des Lebens Bewegung.

Ganz der Tradition entsprechend wurden am zweiten Abend Latkes (Kartoffelpuffer) gegessen und Dreidl (Kreisel) gespielt. Am Donnerstagabend brachte der Kantor der liberalen jüdischen Gemeinde München, Nikola David, mit Gesang und Klavier einen Schatz jüdischer Musikgeschichte ins TOS Gemeinde- und Konferenzzentrum. Dabei fehlte es nicht an ausgelassenem Tanz, jüdischem Humor und unverkennbarer Musik auf Hebräisch, Ladino und Jiddisch.

Doron Almog, ein ehemaliger Generalmajor der israelischen Armee, hielt am Sonntagvormittag einen beeindruckenden und persönlichen Vortrag. Almog erzählte, wie ihn sein schwerstbehinderter Sohn Eran dazu bewegte, nach 35 Jahren erfolgreichem und gefeiertem Dienst die IDF zu verlassen und das größte und einflussreichste Werk für behinderte Menschen in Israel zu gründen. Seine Hingabe und Leidenschaft für die Schwächsten der Gesellschaft berührte und inspirierte zutiefst. Er zeigte, wie jeder Einzelne ein Licht für andere sein kann.

Am letzten Abend zündete der israelische Rabbi Mordechai Pavlovsky in Anwesenheit der jüdischen Gemeinde Reutlingen im Hof der TOS Gemeinde die letzte Kerze an. Mit viel Tanz und Musik wurde das Lichterfest an diesem Abend beendet.  

Chanukka erinnert an die zweite Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v.Chr. Die Wiedereinweihung war ein großes Wunder, da das jüdische Volk für mehrere Jahre von den Seleukiden unterdrückt, der Tempel entweiht und jüdische Glaubenstraditionen verboten worden waren. In einem Aufstand gegen seine Unterdrücker eroberte eine zahlenmäßig unterlegene Gruppe entschlossener Juden (Makkabäer) den Tempel zurück, was das erste Wunder von Chanukka war. Im Tempel wurde eine kleine Menge an heiligem Öl gefunden, die nur für einen Tag im Leuchter gebrannt hätte. Das zweite Wunder war, dass das Licht aber für acht Tage brannte und in dieser Zeit wieder neues rituelles Öl hergestellt werden konnte.

In diesem Sinne ist Chanukka ein fröhliches Familienfest und brachte auch in diesem Jahr viel Freude und Licht in die Tübinger Innenstadt.

 

Die Veranstaltungen wurden auf Facebook live übertragen und können nachträglich angeschaut werden: www.facebook.com/marchoflife Die Dauerausstellung Ausstellung „Aufdecken – Entdecken. Das Schweigen zerbrechen“ ist montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr in den Kellerräumen des Bücherladens Treffpunkt Jesus Live am Tübinger Marktplatz zu sehen. 

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