Eine Stadt mit einst 300 jüdischen Gebetshäusern

Der Marsch des Lebens in Lviv/Lemberg

Es ist ein unscheinbarer Bahnhof, an dem nach neun Jahren der zweite Marsch des Lebens in Lviv/Lemberg startete. Wenn man den Ort nicht kennt, könnte man fast daran vorbeilaufen. Die Station heißt Kleparov und war von März 1942 bis 1943 für die meisten Juden der Stadt und der Region Galizien die letzte Station in den Tod. Hunderttausende wurden von dort in das Vernichtungslager Belzec deportiert. Zuvor war Lviv /Lemberg ein Zentrum jüdischen Lebens und Schaffens gewesen. Ein Drittel der Stadtbevölkerung war jüdisch und das Stadtbild geprägt von zahlreichen Synagogen und Gebetsstätten. Heute steht nur noch eine baufällige Synagoge, die nun renoviert werden soll.

In stillem Andenken folgten die etwa 400 Teilnehmer des Marsches dem Weg, den viele Jüdinnen und Juden gegangen waren, zum Gelände des ehemaligen Lagers Janowska. Dieses Lager war sowohl Zwangsarbeits-, als auch Transit- und Vernichtungslager gewesen. Der Marsch des Lebens endete in der Piaski (Sand)-Schlucht, die nördlich des Lagers lag. In diesem „Tal des Todes“, wie es damals hieß, fanden regelmäßig Massenerschießungen statt, erklärte der anwesende Holocaustforscher Andrej Usach. Wer nicht mehr in Janowska zur Arbeit eingesetzt werden konnte, wurde entweder nach Belzec deportiert oder im Piaski erschossen. Es ist heute unmöglich die genauen Opferzahlen herauszufinden, da das Sonderkommando 1005, eine Gruppe jüdischer Gefangener, von der SS gezwungen worden war, die tausenden Leichen in den Massengräbern auszugraben, zu verbrennen und ihre Spuren zu vernichten.

Auf diesem Gelände fand die Gedenkveranstaltung statt, zu der auch eine Delegation aus Tübingen angereist war. Ein Mitglied des Stadtrates von Lviv, Irina Vikirchak, begrüßte den Marsch des Lebens und dankte den Teilnehmern. Olga Gonchar, Direktorin des städtischen Museums „Territory of Terror", betonte in ihrer Rede, wie wichtig es sei alle vorhandenen Spuren zu bewahren, um mehr Wahrheit über die Geschehnisse zur Zeit des Zweiten Weltkriegs zu erfahren. Diese Wahrheit herauszufinden sei selbst für Forscher nicht einfach, denn zahlreiche Archive seien noch immer verschlossen.

Unter den Teilnehmern war auch der ukrainische Historiker und Holocaustüberlebende Boris Zabarko. In seiner Rede mahnte er, dass die Zeit der Zeitzeugen zu Ende gehe. Es sei nun die Verantwortung der nächsten Generation, dass man den Holocaust und die Geschichten der Überlebenden nicht vergesse. Als Heinz Reuss für die deutsche Delegation vom Marsch des Lebens sprach, gab er Zabarko das Versprechen, diese Erinnerung lebendig und präsent zu halten. Das geschehe, indem man die Erinnerung durch die Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte persönlich mache. Einige der Delegation erzählen daraufhin die schreckliche Wahrheit ihrer Großväter und Urgroßväter, die als Teil der Wehrmacht, der SS und als Lagerkommandanten Schrecken, Zerstörung und Tod in die Ukraine gebracht hatten. Sie baten die anwesenden Ukrainer um Vergebung und im Besonderen die jüdische Gemeinschaft und die Holocaustüberlebenden. Auf den Gesichtern der Zuhörer war der tiefe Schmerz zu sehen als sie diese Wahrheiten hörten. Die deutsche Delegation überreichte ihnen als Zeichen der Bitte um Versöhnung Rosen, die sie unter Tränen entgegennahmen. An diesem Ort des Todes wurde plötzlich Hoffnung und Freundschaft möglich.

 

Berichte in den ukrainischen Medien

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